Einen dramatischen Jagdunfall, bei dem auch in juristischer Hinsicht mit harten Bandagen gekämpft wird, verhandelt heute das Schwurgericht in Paderborn. Auf der Anklagebank muss Norbert P. (56) aus Lage Platz nehmen. Er wird verdächtigt, während einer Treibjagd am 28. Dezember 2007 in Löwendorf (Kreis Höxter) eine versuchte vorsätzliche Tötung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung begangen zu haben. Der Angeschuldigte, ein Büchsenmacher, hatte an dem Tag an einer Gesellschaftsjagd teilgenommen, bei der vor allem Hasen und Rehe erlegt werden sollten. Nachdem die Treibjagd bereits zu Ende war, stand Norbert P. als sogenannter "letzter Vorstehschütze" an einem alten Schuppen in der Nähe einer Hecke.
Treibergruppe hinter dichter Hecke beschossen
Plötzlich lief noch ein Reh über den Acker. Als er das Tier erblickte, soll Norbert P. nach den Feststellungen der Paderborner Staatsanwaltschaft seine Bockdoppelflinte der Marke "Krieghoff" noch einmal auf ein schweres "Brennecke-Geschoss" umgeladen und auf das Reh angelegt haben. Die Kugel verfehlte allerdings das Tier. Laut Anklage durchschlug sie die dichte Hecke und traf in einer Entfernung von 66 Metern die Treiberin Lena-Maria (14), die mit einer Warnweste ausgerüstet war und dort mit anderen Treibern bereits auf dem Weg zu einem Sammelplatz war. Das Geschoss zertrümmerte Lena-Marias rechten Oberarmknochen und drang im Bereich des Schulterblattes weiter in den Körper ein. "Meine Mandantin hat unbeschreibliches Glück gehabt. Sie hätte tot sein können", sagt der Bielefelder Rechtsanwalt Jürgen Hülsmann, der als Vertreter der Nebenklage die Interessen von Lena-Maria vertritt. Das Opfer, das mit seiner Mutter in der Schweiz lebt, musste im Krankenhaus dreimal operiert werden und hat auch heute den Vorfall psychisch noch nicht vollständig verarbeitet.
Schütze zeigt weder Reue noch Einsicht
Der mutmaßliche Täter zeigte bislang aber alles andere als Reue und Einsicht. Zwar hatte Norbert P. in einer Befragung durch die Polizei zunächst den Schuss eingeräumt. Er war auch von Zeugen beobachtet worden. In einer ersten Verhandlung vor dem Höxteraner Schöffengericht machte der Angeschuldigte aber plötzlich geltend, dass die Geschossteile, die aus Lena-Marias Schulter operiert wurden, angeblich nicht aus einer Waffe stammen. Der Vorsitzende Richter des Schöffengerichts in Höxter verwies den Fall daraufhin an das Schwurgericht in Paderborn. Norbert P. habe zahlreiche Sicherheitsbestimmungen verletzt und zum Beispiel in Richtung einer undurchsichtigen Hecke geschossen, obwohl er gesehen habe, dass kurz zuvor drei Treiber hinter dieser Hecke verschwanden.
Nach Informationen dieser Zeitung hat der Kreis Lippe Norbert P. wegen des Vorfalls den Jagdschein entzogen. Dagegen wehrt er sich vor dem Mindener Verwaltungsgericht. Im Falle einer Verurteilung vor dem Paderborner Schwurgericht muss Norbert P. auch noch mit Ansprüchen auf Schmerzensgeld rechnen. Lena-Marias Anwalt will sie geltend machen.






Ansonsten ist es traurig das sich der "Jäger" so wehrt, man muss halt zu seinen Fehlern stehen, p.s. Autofahren ist viel gefährlicher als die Jagd, da ist man auch als Unbeteiligter Fußgänger oder Radfahrer mal schnell auf der Haube drauf ....